Investition in Qualität / by Markus Spitzbart

Die Weiterentwicklung des Unternehmens durch Umbau, Erweiterung oder Neuausstattung ist ein Schritt, der viele Überlegungen beinhaltet. Immer wieder geht es um die Frage: Was kann bzw. soll aufgewendet werden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Vordergründig wünschen sich viele Kunden größere und moderne Räume, um Kapazitätsprobleme zu lösen oder veränderten Gästeanforderungen gerecht zu werden. Betrachtet man dies jedoch in einem größeren Zusammenhang, wird klar, dass sich die Investition in Form von mehr Umsatz und Gewinn rechnen muss, um zur Zukunftssicherung beizutragen.

Anstatt über Architektur und Design klären wir in unseren ersten Gesprächen mit den Winzern daher grundsätzlich die strategischen Ziele und konzeptionellen Vorstellung ab, erfassen den Ist-Zustand, ermitteln die Alleinstellungsmerkmale sowie die regionalen Gegebenheiten. Auf diese Weise verschaffen wir uns ein exaktes Bild der Wertschöpfungskette des jeweiligen Betriebes. Unsere Beratung zielt darauf ab, für jeden Winzer die genau passende Architektur zu entwickeln, die ihn dabei unterstützt, seine Strategie erfolgreich am Markt umzusetzen. Das kann weit über Architektur und Design hinausgehen bis hin zur Konzeption, Marketing, Grafik und Fragen des Vertriebs. Zusätzlich profitiert der Kunde bei seiner Investitionsentscheidung von unserem Hintergrundwissen über die Branche, den Markt, Tourismus und Förderprogramme.

Ganz wichtig ist, dass alles in enger Abstimmung mit dem Kunden entwickelt wird. Denn jedes Projekt muss eine eigenständige Identität haben, die zur Winzerfamilie, der Region und den Menschen passt.

Wie all diese Elemente schlussendlich in eindrucksvolle und alltagstaugliche Architekturlösungen münden, zeigen die beiden aktuellen Projekte.

Wutte im südsteirischen Fresing war eine der letzten „Kuchl-Buschenschanken“. Im Jahr 2007 übernahm Mario Wutte mit seiner Frau Eva den Betrieb und begann zunächst mit der Sanierung von Kelleranlage, Wirtschaftsgebäude und Hofbereich, bevor er sich an die größte Herausforderung, die Modernisierung des Buschenschanks, wagte. Hierfür gab es eine Reihe von Ideen und Skizzen, die jedoch alle nicht die Erwartungen erfüllten. Fest stand nur, dass das bestehende Gebäude durch einen Neubau ersetzt werden sollte. Erst mit Spitzbart fand die Familie den richtigen Gesprächspartner, der die besonderen Anforderungen verstand und professionell auf den Punkt brachte. Die außergewöhnliche Architekturlösung unter Berücksichtigung der Kostensituation begeisterte die Familie. Im Anschluss wurde im Rahmen des planerischen Prozesses das gastronomische Konzept entwickelt.

Auffällige Merkmale des Neubaus sind das steile Dach und die lückenlose Einkleidung von Baukörper und Dach mit Ziegeln der Firma Tondach. Durch das Steildach macht der in einer Kurve gelegene Heurige optisch auf sich aufmerksam und gibt durch die völlige Verglasung der Front Einblick in die gesamte Tiefe des Gebäudes. Der eckige, weiß-grau-antik eingefärbte Dachziegel verleiht dem Gebäude eine natürliche Struktur und Patina. Der Innenbereich umfasst den Gastraum mit der dahinterliegenden Küche sowie die Wohnung der Seniorchefin. Bei der Gestaltung wurden die Vorstellungen der Familie Wutte umgesetzt, die Wert auf Wärme und Gemütlichkeit im Gastraum legte. Deshalb durfte das Design nicht zu minimalistisch oder puristisch sein. Über Materialien wie das Lärchenholz und die charakteristische Bodenausführung wurde die Identität des Heurigen hergestellt.

Nach oben in den hohen Giebel schließt sich Heraklith an, das außer über ausgezeichnete Eigenschaften zum Wärme- und Schallschutz über eine interessante Eigenstruktur verfügt.

Eine wesentliche Anforderung war die Alltagstauglichkeit, denn der Heurige mit seinen jetzt 40 Plätzen sollte wie bisher von der Familie selbst bewirtschaftet werden können. Die ganzjährigen Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 23 Uhr sind ein Alleinstellungsmerkmal von Wutte, da die Mitbewerber während des Winters geschlossen haben. Der neue Buschenschank erweist sich seit der Eröffnung im Juni als Besuchermagnet. Nicht nur die anfänglich skeptischen Einheimischen kann die Familie bei sich begrüßen, es kommen auch Kollegen aus den angrenzenden Bundesländern, um sich selbst ein Bild zu machen.  „Wir haben es auf den Punkt gebracht“, so Mario Wutte. „In der ganzen Region gibt es nicht annähernd etwas Vergleichbares“.

Weingut Hermenegild Mang, Weißenkirchen

In der Wachau, direkt an der Donau gelegen, ist das Weingut Hermenegild Mang ein ehemaliger Lesehof der Bürgerspitalstiftung Enns. Der familiär geführte Betrieb befindet sich seit 1919 befindet in Familienbesitz. 1949 wurde der Heurigenbetrieb zum ersten Mal eröffnet. Für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wünschte sich die Familie eine Erweiterung für neue Küchengeräte und mehr Platzangebot für die Gäste. „Schön, modern und gemütlich“ sollte der Erweiterungsbau sein und damit ein Zeichen in der Region setzen, die sich nach Ansicht von Alexander Mang „im Dornröschenschlaf“ befindet. Entstanden ist ein großzügiger Wintergarten mit verschiebbaren Glastüren und einem weit überragenden Dach als Wetter- und Sonnenschutz, der durch einen Gang mit dem Haupthaus verbunden ist. Dank Fußbodenheizung und Isolierung kann der Pavillon auch im Winter für Feiern und Veranstaltungen genutzt werden. Mang gilt als familienfreundlicher Heuriger mit großem Garten und Spielwiese für die Kinder. Eltern schätzen die Vorteile der freien Sicht vom Wintergarten nach draußen.

Im Innern ist die Decke zentrales Gestaltungs- und Funktionselement: Zum einen sorgt sie als Akustikdecke für ein angenehm leises Geräuschniveau. Zum anderen ist sie aufgrund des raumfüllenden Kunstwerks ein identitätsstiftendes Element, das in dieser Größe einmalig sein dürfte. Das Gemälde stammt von der der Salzburger Künstlerin Lubi Breitfuß, die auch das Etikett für eine Sonderfüllung gestaltet hat. „Das Kunstwerk sorgt für Kommunikation der Gäste untereinander und wir haben einen Anknüpfungspunkt, um mit den Gästen ins Gespräch kommen zu können“, so Alexander Mang. Auch Prominenz kehrt gerne bei Mang ein und erst kürzlich beehrte der Bundespräsident Dr. Heinz Fischer das Weingut beim Betriebsausflug seiner Mitarbeiter.