Von allem das Beste / by Markus Spitzbart

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Bodega Son Mayol

Mallorca

Eines ist die im Herbst 2016 neu errichtete Bodega Son Mayol ganz sicher: großartig.

Sechs Millionen Euro wurden von einem Schweizer Unternehmer investiert mit dem klaren Ziel, unter optimalen Bedingungen den besten Wein auf Mallorca zu produzieren. Dazu investierte man in modernste Technologien und versammelte die klügsten Köpfe wie den legendären Patrick Léon als Berater und die Önologin Marie Berbè als technische Leiterin. Beide sind Spezialisten für Bordeaux-Weine und auch auf Sol Mayol setzen beide voll und ganz auf das Konzept großer Bordeauxweingüter wie Château Mouton Rothschild. Dem großen Ziel angepasst präsentiert sich das neue Gebäude mit ruhiger Eleganz, die klaren geometrischen Formen lediglich aufgelockert durch das geschwungene Dach. Die Architektur von Javier Campos folgt dem Prinzip der kognitiven Landkarte und reduziert die Eigenschaften der Landschaft auf die wesentlichen Merkmale. Dadurch fühlt sich der Betrachter im Kontext zur Umgebung „heimisch“ und „vertraut“. Die Philosophie des Weinmachens wird über Kunstinstallationen und Etiketten vermittelt. Jährlich sollen andere Künstler eingeladen werden, die Bodega mit ihren Werken zu bespielen und die Etiketten zu gestalten. Den Anfang machte die mallorquinische Malerin Francesca Marti. Das Privileg, die Werke der Künstlerin im Wechselspiel mit durch einen Glasboden vollständig sichtbaren Gärtanks aus französischer Eiche zu sehen, haben jedoch nur ausgewählte Besucher. Denn für das Publikum bleiben die Tore der neuen Bodega vorerst verschlossen.

Die Bodega Son Mayol ist ein neuer Typus Weingut auf Mallorca oder besser gesagt in Spanien. Nach der Welle ausgesprochen expressionistischer Weingüter, deren Architektur-Kathedralen für sehr viel Geld von Architekten von Weltruf geschaffen wurden, folgte eine zweite, auf Nachhaltigkeit angelegte Welle. Kleiner, mit natürlichem Charme, introvertiert aber sehr authentisch, mit stark persönlichen Zügen und inniger Verbindung zum Produkt. Mit Weingütern wie der Bodega Son Mayol oder CanAxartell des deutschen Unternehmers Hans-Peter Schwarzkopf bricht möglicherweise eine neue Zeit an. Potente Kapitelgeber versammeln die besten Fachleute mit dem Ziel, das beste Produkt zu entwickeln. Auf dem Reissbrett entstehen Spitzenweine, eingekleidet in Markenidentitäten und präsentiert in eindrucksvollen Bauten.

So weit so gut.

Dass sich hierfür Zielgruppen finden, liegt auf der Hand. Zumindest für eine gewisse Zeit, bis ein neuer, noch großartigerer Mitspieler die Bühne betritt und zum umjubelten Star wird. Deshalb mag die Frage erlaubt sein, wie nachhaltig diese Strategie ist. Fehlen nicht Persönlichkeit und Individualität, um nachhaltig Käufer zu begeistern und zu einer starken Marke zu werden? Oder sind sie die neuen Modelle der Zukunft?